Presse
27.05.2016, 20:37 Uhr | EJZ
Nur Fragen, mehr nicht - Sondersitzung des Kreisschulausschusses
Absurd: Zuhörer beim Kreisschulausschuss bekommen nur Fragen zur möglichen IGS Dannenberg, nicht die Antworten zu hören
Aufn.: Ch. Beyer
by Hitzacker. Wie sollen Eltern von Grundschülern und Kindergartenkindern guten Gewissens den Fragebogen zur Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule (IGS) in Dannenberg ausfüllen, wenn sie noch Fragen haben? In den fünf Informationsveranstaltungen, in denen Ende April/Anfang Mai über diese neue Schulform informiert worden war, waren in der Tat einige Fragen offen geblieben, und auch der Kreiselternrat hatte noch eine Liste mit weiteren ungeklärten Punkten eingereicht. Wer nun geglaubt hatte, die Antworten gäbe es auf einer von sechs Ausschussmitgliedern beantragten öffentlichen Sondersitzung des Kreisschulausschusses, der irrte gewaltig. Tatsächlich befand der Ausschuss - dessen Mitglieder am Mittwoch in der Bernhard-Varenius- Schule in Hitzacker zusammen kamen - es sei nicht nötig, die Antworten öffentlich zu verlesen. Denn für sie, die Ausschussmitglieder, die die Antworten in ihren Unterlagen hatten, seien die Fragen hinreichend beantwortet, meinten etwa die Ausschussmitglieder Michael Schemionek (Grüne) und Kurt Herzog (SOLI). Ihr Vorschlag: Es sollte jetzt nur noch von Ausschussmitgliedern nachgefragt werden können. Das führte für die knapp 20 Zuhörer zu der absurden Situation, dass nun zwar sämtliche Fragen vorgelesen wurden, aber nicht die dazugehörenden Antworten. Christian Carmienke (CDU) argumentierte vergeblich gegen dieses Verfahren. Dass die Sitzung schließlich für Fragen der Zuhörer doch noch unterbrochen wurde, verbesserte deren Wissensstand nur wenig. Die wollten vor allem wissen, wie denn nun die Eltern doch noch an die Antworten kommen könnten. Die seien bereits, so hieß es, an den Kreiselternrat gegangen, und es sei dessen Aufgabe, für die Verbreitung unter den Eltern in Schulen und Kitas zu sorgen. "Was soll dieser Scheiß?", lautete daraufhin ein Kommentar aus dem Publikum. Das bestand offensichtlich ausschließlich aus Gegnern einer IGS in Dannenberg. Neben Gymnasiallehrkräften gehörten wohl die wenigsten der anderen zu der Gruppe, die aktuell entscheiden kann, ob sie ihr Kind an einer IGS in Dannenberg oder an einer der bislang bestehenden Schulformen im Landkreis anmeldet. Gefragt sind die Eltern von Grundschulkindern der Klassen 1 bis 3 sowie die mit Kindern im letzten Kindergartenjahr. Rund 1600 Fragebögen wurden über die Schulen und Kitas verteilt. Eltern, die auf diesem Wege bislang keinen Fragebogen erhalten haben, können ihn im Kreishaus anfordern: Telefon (05841) 120360. Die Befragung läuft bis zum 5. Juni. Der Schulträger will übrigens nun auch noch die Lehrkräfte befragen - was aber rechtlich keine Bedeutung für das Genehmigungsverfahren haben wird, wie die Landesschulbehörde klarstellte. Wer für eine IGS in Dannenberg votiert, entscheidet sich zugleich auch für das Ende der Haupt- und Realschule in Hitzacker und der Oberschule in Dannenberg (nach sechs Jahren) und des Gymnasiums in Dannenberg (nach neun Jahren). Denn für eine IGS als zusätzliche Schule fehlen der Region die Schülerinnen und Schüler. Und ob es an der künftigen IGS eine Oberstufe geben wird, ist zwar erklärtes Ziel, "wird aber erst später bei klar erkennbaren Schülerzahlen entschieden", wie es im Brief heißt, den die Eltern mit dem Fragebogen bekommen haben. Das Ergebnis der Befragung soll im Kreistag am 20. Juni bekanntgegeben werden. Der Landkreis als Schulträger ist "berechtigt", eine IGS einzurichten, wenn auf zehn Jahre deren Vierzügigkeit nachvollziehbar dargelegt wird. Heißt: dass für den Start für mindestens 96 Schüler "ernsthaftes Interesse" an einer Gesamtschule gezeigt werden muss. Für die Zukunft wird dann mit Prognosen gearbeitet. Ob der Kreistag bei Vorliegen entsprechender Zahlen seine "Berechtigung", eine Integrierte Gesamtschule auf den Weg zu bringen, dann auch tatsächlich umsetzt, ist eine politische Entscheidung. Es ist für ihn kein "Muss", er kann dennoch gegen eine IGS votieren. Im Schulausschuss prallten IGS-Befürworter und Gegner noch einmal aufeinander. Elke Mundhenk (Grüne) erinnerte daran, dass es mit der Pro-IGS-Initiative darum gehen sollte, dass mehr Kinder höhere Bildungsabschlüsse erreichen. Diese gute Absicht sei "leider unter die Räder gekommen". Mundhenk bedauerte, dass gerade "die Kinder, die wir fördern wollen, keine Fürsprecher haben", die, wie die Gymnasium- Befürworter aus der Wirtschaft, Geld für Anzeigen und Flugblätter ausgeben könnten. Natürlich dürfe sich jeder gegen eine IGS wehren, aber es sei auch legitim, "dass sich die Politik Gedanken machen darf". Mangels einer Elterninititive für eine IGS gebe es überhaupt keine Basis für diese Schulform, konstatierte Christian Carmienke (CDU), und Bernard Fathmann (Bürgerliste, auch für SPD sprechend) betonte, dass die IGS an sich nicht das Problem sei, sondern dass es dann keine andere weiterführende Schule mehr rund um Dannenberg gebe.

Antworten zu Fahrtkosten, Zumutbarkeiten, Schulschließungen

Die in der Kreisschulausschusssitzung nicht öffentlich gegebenen Antworten gibt die EJZ in sehr geraffter Form wieder. Die vollständigen Fragen und Antworten stehen auf der Internetseite des Landkreis unter www.luechow-dannenberg.de/schulentwicklungsplanung.de

Unterstützung durch Förderschullehrkräfte?
Kein Unterschied zu anderen Schulen. Zuweisung von Stunden durch die Landesschulbehörde entsprechend der Anzahl der Kinder mit Förderbedarf.

Konzept und Zeitschiene für neue IGS?

Landesschulbehörde beruft eine Planungsgruppe, die im Vorjahr mit der Arbeit beginnt und ein halbes Jahr lang arbeitet. Sie besteht aus Lehrkräften aller Lehrämter und beteiligt örtliche Initiativen. Am Ende steht ein individuelles IGS-Konzept.

IGS in Dannenberg oder Lüchow?

Der Kreistag hat beschlossen, die Elternbefragung zum Standort Dannenberg zu organisieren. Weitere Überlegungen obliegen ebenfalls dem Kreistag. Das Ergebnis dieser Befragung kann nicht auf Lüchow "umgemünzt" werden.

Fahrtkosten für Oberstufenschüler?

Nach der geltenden Satzung werden die Fahrtkosten nicht vom Landkreis getragen. Für Oberstufenschüler, die aus Neu Darchau nach Lüchow aufs Gymnasium fahren, wird der Schulweg teurer.

Aussichten für Oberstufe in Clenze?

Die Erweiterung einer IGS um eine gymnasiale Oberstufe hat "grundsätzlich" an der Stammschule zu erfolgen. Diese Formulierung bedeutet, dass Ausnahmen nicht ausgeschlossen sind.

Regional ausgeglichenes Bildungsangebot am Standort Dannenberg?
Schulträger muss sicherstellen, dass im Landkreis alle Bildungsabschlüsse gemacht werden können.

Muss eine bestehende weiterführende Schule im SEK-IBereich aufgrund zurückgehender Schülerzahlen schließen?

Nein. Derzeit werden mehr Kinder geboren als statistisch erwartet. Auch die beiden kleinen Schulen in Hitzacker und Gartow haben mittlerweile mehr Schülerinnen und Schüler als vor Jahren prognostiziert.

Wahlrecht von Eltern aus anderen Schulbezirken?

Einzugsbereich für eine IGS in Dannenberg wäre der gesamte Landkreis.

Kosten und Ersparnisse für den Schulträger?

Berechnungen und Prognosen können erst nach der Ermittlung eines möglichen Interesses erfolgen.

Auswirkungen der Einführung einer IGS auf die Infrastruktur im Nordkreis?

Einrichtung einer Gesamtschule in Dannenberg hätte Auswirkungen auf die Schulstruktur im Nordkreis und ggf. auch auf die im gesamten Landkreis.

Kooperationen mit anderen Landkreisen, um den weiteren Besuch einer auslaufenden Schulform zu gewährleisten?

Ist zurzeit nicht Gegenstand von Überlegungen. Oberschulen ersetzen Haupt- und Realschulen.

Zumutbarkeit des Schulweges?

Der Landkreis gewährleistet bereits jetzt die zumutbare Erreichbarkeit von Schulen, die aus dem ganzen Kreisgebiet besucht werden - zum Teil mit Taxis.

Schüler auf Gesamtschulen außerhalb des Kreisgebietes?

30 Schülerinnen und Schüler besuchen die IGS in Salzwedel, 15 das Schulzentrum Dömitz. Bezahlt werden nur die Beförderungskosten, die auch entstehen würden, wenn die Kinder die KGS in Clenze besuchten. In machen Fällen sind die Kosten geringer.

Inklusiv zu beschulende Kinder und Sonderpädagogen?

Keine Prognosen der Schülerzahl für die IGS in Dannenberg möglich. Sonderpädagogen sind Sache der Landesschulbehörde.

Aufnahmekapazitäten am Gymnasium und Oberschule Lüchow und KGS Clenze?

Schulträger wird allen Anforderungen gerecht werden. Die Übergangszeit von sechs bis neun Jahren einer IGS Dannenberg ermöglicht realistische Anpassung der Bedarfe.
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